prag aktuellprag aktuell | Lidovky.czLidovky.cz | Rubrik: Gesellschaft | 21.2.2015
Historiker warnt in der Lidové noviny angesichts der Verbrechen des Islamischen Staates vor kulturell-zivilisatorischer Überheblichkeit

Prag - "Verbrennen von Menschen bei lebendigem Leibe? Es ist nicht so lange her, dass ähnliche Bestialitäten auch massenhaft Tschechen betrieben haben. Die Täter und Zeugen können noch unter uns wandeln."

So beginnt der Anreißer für eine Kolumne von Petr Zídek, in der der tschechische Historiker und Redakteur der Lidové noviny die Abscheu vor den jüngsten Verbrechen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) thematisiert.

Die Kolumne wurde dabei nicht nur wie üblich in der gedruckten Ausgabe Lidové noviny, sondern am 19. Februar auch in der Online-Ausgabe der in Prag erscheinenden Tageszeitung veröffentlicht.

Vor dem Hintergrund der Gräueltaten, die Tschechen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an Deutschen verübt haben, warnt Zídek vor kulturell-zivilisatorischer Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit. Stattdessen mahnt er eine Auseinandersetzung der Tschechen mit diesem Kapitel ihrer Geschichte an.

Die mittels islamistischer "Propaganda-Videos" weltweit in die Haushalte und Köpfe transportieren Bilder der vom IS begangenen Grausamkeiten dürften nicht zu einer Interpretation führen, "die Muslime als unmenschliche Barbaren stigmatisiert", so Zídek.

"Es sind nämlich gar nicht das lange zurückliegende Mittelalter oder die Hexenprozesse, als ähnliche Bestialitäten massenhaft auch Tschechen betrieben", so Petr Zídek. Anschließend zitiert Zídek aus einem privaten Brief Přemysl Pitters, in dem dieser seine Erinnerungen an das brutale Lynchen von Deutschen in Prag im Mai 1945 beschreibt.

"Also nicht irgendwelche barbarischen Mohamedaner aus der Wüste, sondern Angehörige der Nation des Hus, Komenský und Masaryk, haben sich vor siebzig Jahren Grausamkeiten gestattet, die denen, die heute fanatische Verbrecher im Nahen Osten begehen, in nichts zurückstehen. Und dass ähnliche Bestialitäten vorher auch die Deutschen begangen haben, ist zwar eine bedeutende Tatsache zum Verständnis des Kontextes, aber keineswegs zur Rechtfertigung des mordenden tschechischen Pöbels. Wenn es damals schon Handys mit Fotoapparat und Kamera gegeben hätte, wären sich eine Menge lachender ’Selfies’ von Tschechen vor den Leichen der gefolterten Deutschen erhalten geblieben."

Zídek schließt seine Kolumne, indem er seine Hoffung ausdrückt, dass bei den bevorstehenden Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Kriegesendes und der Befreiung auch über diese Taten gesprochen werde. (nk) 

Bildnachweis:
Lidovky.cz - 19.2.2015
Themen: Islamischer Staat (IS), Muslime, wilde Vertreibung, Zweiter Weltkrieg
hashtags:
#IslamischerStaatIs, #Muslime, #WildeVertreibung, #ZweiterWeltkrieg
201

Weitere Nachrichten zum Thema

prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Panorama | 24.02.2017
Gericht: Tscheche wollte sich IS in Syrien anschließen
Themen: Islamischer Staat (IS), Terrorismus, Justiz
prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Panorama | 8.02.2017
21-jähriger Islamist wurde im vergangenen Jahr in der Türkei festgenommen
Themen: Islamischer Staat (IS), Terrorismus, Justiz
prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Panorama, Kriminalität | 23.12.2016
Tschechisches Außenministerium veröffentlicht Namen der jungen Frau
Themen: Terrorismus, Islamischer Staat (IS)
prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Politik | 20.12.2016
Stellvertretender Premier sieht Verantwortung für Terroranschlag in Berlin bei der deutschen Bundeskanzlerin
Themen: Terrorismus, Andrej Babiš, Islamischer Staat (IS), Flüchtlinge

Seitenblick

www.kinderschule.czwww.kinderschule.cz | Bildung
Deutsche Sprachkurse für Kinder im Alter ab 4½ Jahren mit Muttersprachlern in Prag. Deutscher Sprach- und Kulturunterricht in kleinen Gruppen mit maximal sechs bis acht Kindern.
www.sbirej-toner.czwww.sbirej-toner.cz | Gesellschaft
Sbírej-toner.cz ist ein ökologisch-wohltätiges Projekt der Bürgervereinigung AKTIPO: Durch das Sammeln und anschließende Recyceln von leeren Druckerkartuschen werden Werte erhalten, die Umwelt geschont und vor allem ausgewählte Kinderheime und soziale Einrichtungen für Behinderte finanziell unterstützt.

Auch interessant

Volltextsuche