prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Panorama, Leute | 4.10.2018

Prag - Vor 35 Jahren veröffentlichte Schachbuchautor Peter Krystufek erstmals ein Rätsel seiner Schachproblemreihe "Kniffel-Schach" in der Presse, nämlich im renommierten Schachmagazin "Rochade Europa".

Inzwischen hat der gebürtige Stuttgarter an die 1000 weiteren "Schachprobleme als kriminialistische Denksportaufgaben" entwickelt. 

Die Schachrätsel erscheinen heute rund um den Erdball regelmäßig in etwa 100 Zeitungen. Auf prag aktuell findet man "Kniffel-Schach" seit 2013 auf der Startseite des Portals in der eigens dafür eingerichteten Schach-Ecke sowie in der Rubrik Sport - das Original, jeden ersten Samstag im Monat neu.

Die kniffligen Rätsel sind mitunter richtig harte Nüsse auch für professionelle Schachspieler. Doch was auf der einen Seite wegen der Vielseitigkeit der Aufgabenstellungen durchaus spielerisch daherkommt, ist auch für den Erfinder selbst deswegen noch längst kein Kinderspiel: Denn jede Aufgabe muss allein mit Logik tatsächlich lösbar und die Figurenstellung theoretisch möglich sein.

Am 12. Oktober feiert Peter Krystufek seinen 70. Geburtstag. In seiner aus diesem Anlass von ihm verfassten Kurzbiografie erklärt er, warum er einst seinen Ford Capri eigenhändig im Leoparden-Look umlackierte, erinnert sich an seine Zeit als Konstrukteur von Raketen und fliegenden Untertassen und verrät, was ihn familiengeschichtlich mit der Moldaumetrople Prag verbindet. (nk)

 

Peter Krystufek: Der Mensch hinter dem Schachbrett

Ich soll heute zu meinem 70. Geburtstag einen Rückblick auf mein Leben geben. Also: Geboren wurde ich am 12. Oktober 1948 in Stuttgart. Aufgewachsen bin ich in Leonberg bei Stuttgart. Mein Vater war Fabrikant, Chef der Süddeutschen Brillenfabrik GmbH Leonberg, meine Mutter war Immobilien-Unternehmerin – ihr gehörte auch das Gebäude der Brillenfabrik meines Vaters. Erzogen, beaufsichtigt, versorgt und oberflächlich unterrichtet wurden wir sechs Kinder von einer strengen Gouvernante („Tante Tulli“), die auch in der elterlichen Villa wohnte. Wie schon der Name „Krystufek“ historisch betrachtet aussagt, stand die katholische Kirche bei uns immer auf Platz 1. Das heißt: Beten unter Aufsicht vor jeder Mahlzeit, Beten zum Schlafengehen, Teilnahme am Gottesdienst ausnahmslos jeden Sonntag um 11 Uhr bei jedem Wetter mit Gouvernante per Autobus oder allein zu Fuß bis ins Pubertäts-Alter (ein kilometerlanger Weg von der Villa am Engelberg bis zur St. Johannes Kirche in Leonberg – Erklärung: ein Vorfahr von uns war Rektor der ältesten deutschen Universität, Professor für Kirchengeschichte und päpstlicher Hausprälat in Prag). Katholisch war „in“, Evangelisch war „out“.

Meine Gouvernante ersparte mir den Kindergarten, so dass ich bis zum ersten Schultag im Mai 1955 zur Außenwelt kaum Kontakt hatte pflegen können. So glaubte ich zum Beispiel aus den allgemeinen Erzählungen, dass das Kirchengebäude mit den vielen Sitzbänken auch als Schulhaus genutzt werden würde, und weil meine Gouvernante zusammen mit dem Chauffeur meines Vaters am ersten Schultag nicht gleich einen Parkplatz bei der Kirche hatte finden können, aber damals der erste Schultag immer mit einem Schul-Gottesdienst um 9 Uhr in der Johannes-Kirche begann, kamen wir zu spät dort an, und ich musste mich in der voll besetzten Kirche in die hinterste Bank setzen, mit Schultüte, und wurde dann allein gelassen (meine Gouvernante wollte als Evangelische nicht in der Kirche bleiben). Während später alle Personen die Kirche verließen, um zur Spitalschule (Volksschule) zu gehen, blieb ich auf meiner Kirchenbank sitzen, bis ich ganz allein war in dem riesigen unbeheizten Gebäude. Ich wartete darauf, dass irgendein Lehrer kommen würde. Klassenlehrer Nestle bemerkte nach einer Stunde, dass ich in der A-B-C-Schützen-Szene fehlte, und bald darauf wusste man, dass mich eigentlich gar niemand wirklich gesehen hatte. Das gab ein riesen Theater (mein Vater führte laut „Geschichtswerkstatt Leonberg“ den größten Brillenfabrik-Betrieb in Leonberg mit rund 300 Beschäftigten): 6-jähriger Fabrikanten-Sohn spurlos verschwunden! Der Begriff „Entführung“ lag bereits in der Luft. Um 11 Uhr stampften meine Eltern unverzüglich eine private Such-Armee aus dem Boden. Der intelligente Chauffeur meine Vaters, Herr Heinrich J., sprach unter anderem mit dem Stadtpfarrer Anton Kner, und so entdeckte man mich schließlich um 12 Uhr in der Kirche, wo ich immer noch ganz einsam und allein auf der kalten Sitzbank verharrte und mit dem Inhalt der Schultüte beschäftigt war.

Mit meinen Eltern reiste ich als kleiner (und großer) Knirps durch halb Europa (Geschäftsreisen - bis nach Moskau), sah berühmte Gebäude und wohnte in wunderschönen Hotels oder Villen, bei wichtigen oder sonstigen Industrie-Größen, lernte vor allem bestes Essen kennen und viele Ausländer (z.B. Pierre Cardin und seine elegante Frau).

Der allseits begabte Chauffeur meines Vaters machte mich als 8-Jährigen mit Mechanik, Elektrotechnik und Auto-Motoren vertraut. Er begeisterte mich für das Geheimnis des Magnetismus und ließ mich Volksempfänger auseinander bauen. Mein Vater vermittelte mir Mathematik, das Fotografieren und das Schach-Spielen. Ich selbst fand Gefallen an Physik und Chemie (dazu gab es damals schon Baukästen). Als 9-Jähriger gestaltete ich Zeichnungen und Baupläne zu Raketen und fliegenden Untertassen. Aus Zement und Metall erschuf ich kleine Kunstwerke (die ich heute noch besitze) und lackierte sie mit der roten Ersatz-Farbe des Autos meines Vaters, einem Adenauer-Mercedes 300 mit Wimpel.

In der Volksschule entdeckte ich meine erste große Liebe: die Klassen-Schönste Dorothea R., die ich mit 10 Jahren schließlich in die Fabrik meines Vaters schleifte, um sie dort vorzustellen (ein Brigitte-Bardot-Typ).

Meine Eltern vermittelten mir das Verständnis für klassische Musik (Haydn, Mozart, Bach, Boccherini, Rossini, Salieri, Händel, Vivaldi, Beethoven, Strauß, Offenbach) und für Geschichte, Biografien, Welt-Literatur (z.B. die Bibel und Karl May), und zwangen mich leider aber auch zum Klavier-Spielen auf einem Steinway-Flügel (mit dem Privat-Lehrer Herrn Haas aus Leonberg). Ich las alle Comic-Hefte, die man damals so kriegen konnte (Micky Maus, Fix und Foxy, Sigurd, Nick, Tarzan, Tibor, Akim, Robinson, Meteor, Klassiker usw.). Meine Gouvernante las Jerry-Cotton-Romane, die mich so sehr faszinierten, dass ich auf dem Gymnasium einen FBI-Detektiv-Club gründete und mir selber den Rufnamen „Jerry“ verpasste, den ich bis heute behalten habe. Ich befasste mich eingehend mit halbhistorischen Romanheften und Büchern (Kommissar X, Wyatt Earp, Rothaut, Terra, Utopia, Jules Verne, Dumas, Römisches Reich, Mittelalter, Hexen, später auch Däniken und vor allem Agatha Christie usw.). Ich richtete mir im Elternhaus (350 qm groß) eine Elektronik-Werkstatt und ein Chemie-Labor ein und wurde in der Tanzschule „Wagner“ zum Vorstands-Vorsitzenden gewählt (1966) mit der Aufgabe, eine Tanzschüler-Zeitung herauszugeben („Take it easy“) und zum Abschlussball im Saal eine Rede vor 500 Menschen zu halten. Das war die wilde Zeit der Beatles, Stones, Partys ab 30/40 Leute, Zigaretten, Alkohol, Abenteuer und Weiber-Geschichten jeden Tag. Die Queen of Partys in Leonberg war damals die attraktive blonde Susanne R., hinter der ich schwer her war. Auf dem Albert-Schweitzer-Gymnasium Leonberg machte ich das Abitur im Juni 1968. Dann folgten die Universitäten Stuttgart und Tübingen mit Vor-Diplom in Volkswirtschaft und einer IHK-Ausbildung zum Industriekaufmann (Februar 1974). Ich verkaufte persönlich Brillenfassungen in Frankreich, Belgien, Österreich, Liechtenstein, der Schweiz, Italien, in Russland und in England. Als Fotograf erschienen meine Brillen-Werbefotos in 80 Ländern auf allen sechs Kontinenten (bis 1975). Der Umgang mit den von mir ausgesuchten Models beflügelte mich darin, Modeschöpfung zu versuchen, ich erlernte das Nähen mit der Nähmaschine, gestaltete Kleidung (Hosen und Westen) aus Leoparden-, Zebra-, Jaguar-, Giraffen- und Katzenfell, die ich gelegentlich auch selber trug. Meinen Ford Capri lackierte ich hierzu eigenhändig im Leoparden-Look und hatte damit einen Auftritt in der Abendschau sowie in Monaco und Cannes. Nach der Verschrottung des Wagens wurde dieser vom Schrottplatz geklaut und sorgte für einen Skandal in Pforzheim (Wettrennen mit der Polizei September 1980).

Mein Vater starb 1975 und mein älterer Bruder wurde wie standesüblich als Erstgeborener das Familien-Oberhaupt. Bis 1978 war ich sein stellvertretender Geschäftsführer in der Brillenfabrik, dann legte mein Bruder den Betrieb still, und ich übernahm die Immobilien-Unternehmung meiner Mutter (Sozialwohnungsbau mit Verwaltung), dort zuletzt als alleiniger Geschäftsführer (bis 2008). Meine Mutter verstarb 2002. Zu meinem 60. Geburtstag beschloss ich, das Familien- Unternehmen zugunsten meiner Geschwister aufzulösen und in den Ruhestand zu gehen. Ich verkaufte sämtliche Immobilien nach Belgien, Jugoslawien und an die Prinzessin von Frankreich.

Parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit als Immobilien-Verwalter pflegte ich so nebenbei auch geistig auslastende Hobbys, für die ich z.T. in der jeweiligen Szene letztendlich kontinental bekannt wurde: Von etwa 1970 bis 1980 arbeitete ich abends kreativ als Kunstmaler und fertigte 300 Ölgemälde, die ich in Leonberg und Umgebung in allen guten Gasthäusern und Hotels aufhängte und in zahlreichen Ausstellungen präsentierte (auch im LEO-Center und im Rathaus Leonberg). Ab 1974 bis heute organisierte ich als Vorsitzender alle zwei Jahre die beliebten 6c-Klassentreffen zur berühmtesten Schulklasse vom Albert-Schweitzer-Gymnasium. Das ist meine Klasse. 10 Prozent sind bereits verstorben.

Dann interessierte ich mich für Medizin auf Anregung der Leonberger Heilpraktikerin Cornelia G. und absolvierte mit ihr die schulische Ausbildung zum Heilpraktiker mit Abschluss-Prüfung beim Gesundheitsamt (1983). Danach hatte ich die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ zu führen.

1979 gelang mir der größte Wurf: Ich erfand die Schach-Problemreihe „Kniffel-Schach“, Schachrätsel als kriminalistische Denksportaufgaben, mit inzwischen bis heute fast ein Tausend Kompositionen (748 fertige Schachrätsel, und ca. 250 müssen noch Korrektur gelesen werden), in der Presse erstmals erschienen 1983, und bis heute in insgesamt 12 Ländern von Thailand bis Portugal in 109 Zeitungen und in verschiedenen Sprachen. Hierfür wurde mir die Ehrung „Weltrekordhalter im Einrichten von Schachrätsel-Ecken“ verliehen (siehe Internet oder Stuttgarter Zeitung v. 18.9.1986). Mein bester und hochintelligenter Korrektor hierbei war der einzigartige Schach-Profi Roland Böhmler aus Leonberg (verstorben Ende 2017). Zum Thema Schach wurde ich Autor bei Rowohlt, Heyne, Beyer, Englisch, IDEA, Deutsch und anderen Buch-Verlagen. Ich war 2. Vorsitzender im Schachverein Leonberg, dann Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeiten im Schachbezirk Stuttgart und damit zuständig für 60 Schachvereine sowie Autor für das größte deutsche Schachmagazin, der „Rochade Europa“, 31 Jahre lang (bis zum Tode des Magazin-Gründers). Ich kreierte und fotografierte die erste und bisher einzige „Miss Chess of Germany 1989“ (die beeindruckend schöne Inge Gudrun aus Stuttgart), die auch eine denkbare Heiratskandidatin für mich gewesen wäre.

Wegen einer anderen Möglichkeit auf einen Schwiegervater musste ich von 1986 bis 1992 in dessen Unternehmung (Graner Kesselbau/Gerlingen) mitarbeiten in der Fertigung, Materialprüfung und als Personalchef. Seine bildhübsche und allseits bewunderte Enkelin, genannt Prinzessin Sina, gab ich immer und gerne – auch in den Medien – als meine kleine Tochter aus. Sina wurde das einzige Kind der Welt, das im Untergeschoss des Louvre/Paris mit meiner Hilfe eine riesige ägyptische Löwenstatue beklettern konnte für ein einmaliges Foto. Die Alarmanlage des berühmten Museums reagierte mit Verspätung.

1993 fand in Leonberg die Wahl zum Oberbürgermeister statt, an der 13 Bewerber teilnahmen, auch ich. Herr Bernhard Schuler gewann damals die Wahl, dafür schlug ich ihn in 3 Schachpartien hintereinander. Unterstützt worden war ich damals hauptsächlich von interessanten Frauen, und mittelbar wurde mir dadurch 1994 eine hübsche junge Dame in einem Gasthaus vorgestellt, die bis heute die Frau an meiner Seite ist: Regina. Seit 2015 befasse ich mich wieder neben Kniffel-Schach mit bildender Kunst und gestalte Bilder-Kunstwerke im Barockrahmen zum Thema „Glitzer-Bilder“ (funkelnde Steine und Materialien) für exklusive und gehobene Kreise.

Das Stadtmagazin „prag aktuell“, die deutschsprachige Presseschau für Tschechien, präsentiert Kniffel-Schach seit 5 Jahren und ist damit unter den 109 Zeitungen, die in Europa und Asien meine Schachprobleme bisher vorgestellt haben, eine der jüngsten in meiner „Zeitungs-Sammlung“.

Peter Krystufek, Leonberg, Oktober 2018

Weitere Infos: Kniffel-Schach Nr. 407
Bildnachweis:
Peter Krystufek
Themen: Schach
hashtags:
#Schach
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