Der Autor

Markus Höppner, Jahrgang 1989, absolviert seit 2014 ein Auslandssemester an der Karls-Universität Prag.

Eigentlich studiert er an der RWTH-Aachen Geschichte und Politische Wissenschaft im Master, den er voraussichtlich nächstes Jahr beenden wird.

Für prag aktuell ist er seit Oktober 2014 als Redakteur tätig und auch als Blogger aktiv.

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| Markus Höppner | Rubrik: Gastronomie | 5.11.2014

Wie ein Zar in den Wolken

Ein Essen im Prager Fernsehturm
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Er ist im Panorama Prags nicht zu übersehen und wohl auch nicht wegzudenken - der Fernsehturm Žižkovská televizní věž. Bisher sah ich den Turm hauptsächlich aus der Ferne oder wenige Straßen entfernt durch Straßenschluchten, hatte jedoch noch nicht die Gelegenheit, ihn genauer zu betrachten oder gar hinaufzufahren. Dies musste ich natürlich ändern.

Die moderne Architektur des Turms und sein gesamtes Erscheinungsbild, inklusive der krabbelnden Babys, stachen für mein Verständnis von Beginn an aus dem historischen Gesamtbild der Stadt heraus und das nicht nur aufgrund der Höhe. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er diesen Kontrast gut findet oder nicht. Ich empfinde es als eine schöne Abwechslung.

Es gibt zwei Möglichkeiten, auf den Turm hinauf zu kommen. Entweder man nimmt den linken Aufzug zur Aussichtsplattform in 110 Metern Höhe oder den rechten Aufzug zum Restaurant Oblaca. Mir schien die kulinarische Variante attraktiver, weshalb ich umgehend einen Tisch für zwei reserviert habe. Im Restaurant in 63 Metern Höhe angekommen, wurden wir direkt vom herausgeputzten Personal höflichst in gutem Englisch empfangen und in den Speiseraum geführt. Dieser sucht in Prag aufgrund der Location und der Aussicht wohl seines Gleichen. Der Turm ist zwar leider etwas zu weit weg von der Moldau, um einen guten Blick auf die Altstadt zu haben, jedoch ist es auch so schon ein Erlebnis, mit einer tollen Aussicht bei schönem Wetter zu essen.

Das Restaurant an sich ist sehr modern und spartanisch gestaltet, alles in allem kam es mir sehr Edel vor. Und dieser Eindruck bestätigte sich beim Blick in die Speisekarte, die vor exquisiten Genüssen nur so überquellen zu schien. Wer sich selbst überzeugen will, die Speisekarte gibt es online auch auf Deutsch einzusehen.

Wir entschieden uns dann für das "Hähnchen Supreme" (Maishähnchen, leichter Spargel-Kartoffelsalat, Baby-Spinat Blätter, hausgemachte Mayonnaise und Demiglace aus Thymian) sowie "hausgemachte Kartoffelgnocci" (mit schwarzen Trüffeln in Sahnesauce). Beides sowie das hausgemachte Brot und die Suppen waren einfach himmlisch. In dem Moment als der Kellner (oder vielleicht sollte ich ihn Garcon nennen) uns die Suppe und jede einzelne Zutat samt Herkunftsland erklärte und dabei eine verbale Weltreise vollführte (unter anderem nach Südamerika und Beluga), fühlte ich mich wie ein Öl-Magnat oder der russische Zar bei der Einnahme seiner Speisen.

Das war auch der Grund, warum sich das reine Essen sehr lange hinzog, man musste es einfach genießen! Wann kriegt man schon mal die Gelegenheit, Essen, das gefühlt auf dem Niveau eines Michelin-Sternekochs ist, zu den Preisen eines guten Italieners in Deutschland zu genießen. Zugegeben, für tschechische Verhältnisse sind die Preise mit dem Drei- bis Vierfachen eines normalen Mittagessens mehr als happig. In Deutschland könnte man ein Restaurant mit einem solchen Preisleistungsverhältnis auf so einem kulinarischen Niveau aber wohl suchen bis der FC Schalke 04 Deutscher Fußballmeister wird. Auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man sich für einen besonderen Anlass mal etwas Besonderes gönnen möchte. 

Bildnachweis:
M. Höppner
Externer Link: Restaurant Oblaca (www.towerpark.cz)Restaurant Oblaca (www.towerpark.cz)
Žižkovská televizní věž
Mahlerovy sady 1
130 00 Praha 3
Tschechische Republik

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