Rubrik: Panorama | Veröffentlicht am: 16.11.2017

Prag - Wenn es einer Charakterisierung des ersten tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryk bedarf, gehören die Eigenschaften der Vielseitigkeit und der Neugierde mit Sicherheit dazu. Dafür spricht unter anderem, dass Masaryk mehrere Sprachen beherrschte.

Seine englischen Sprachkenntnisse stellte er in einer Aufzeichnung des amerikanischen Senders "Fox Movietone News" am 29. November 1929 unter Beweis. Das Video ist nicht nur ein interessantes Zeitdokument, welches den Staatspräsident auf eine seltene Weise erfahrbar macht, es ist auch ein Ausweis von Masaryks vielseitigen Interessen, seiner Vorstellungskraft und Konzepten von einer besseren und gerechteren Welt.

Von Amerika lernen

Ein interessanter Teil des Videos lässt Masaryks Einstellung zu den Vereinigten Staaten von Amerika aufscheinen. Masaryk war ein Bewunderer und ein Freund der USA und besuchte diese mehr als nur einmal. Mehr noch, seit 1878 war er mit der US-Amerikanerin Charlotte Garrigue verheiratet. Im Video äußert er sich zu den USA folgendermaßen: 

"And then, now you have at the home, a lot of your own prophets, analyzing, criticising, your life in America. The development of your country and I read a good deal of the books dealing with your problems. The Europeans can learn a bit of you Americans, I myself learned something in Washington that a good horseman told me, that riding you get twice as much pressure in your lungs than walking. So I am going to have my morning ride.'"

Allerdings nahm sich Masaryk nicht nur an den Reitgewohnheiten amerikanischer Pferdebesitzer ein Beispiel. In der Entstehungsphase der tschechoslowakischen Republik trat er als Verfechter einer Konzeption des neuen Staates nach US-amerikanischem Vorbild auf. Die Tschechoslowakei sollte eine säkularisierte parlamentarische Demokratie werden, in denen die Bürger weitgehende Grundrechte besitzen und in Bezug auf Minderheiten und die Frauen-Emanzipation progressive Bestimmungen gelten sollten. Bestimmend für den neuen Staat sollte in den Augen Masaryks weniger eine schwer prüfbare nationalhistorische Mythologie sein, sondern vielmehr eine politische Leitidee, die auf demokratische Prinzipien gründen sollte.

Technologie-Optimismus und Visionen

Masaryk beschreibt in dem Videoausschnitt auch mögliche Technologien der Zukunft und schwärmt von diesen in den höchsten Tönen. Heute finden technologische Innovationen in immer kürzeren Intervallen statt und verändern nahezu alle Aspekte unseres Lebens. Die mit Technologie verbundenen Umwälzungen auf alltäglicher und auch politischer Ebene konnte Masaryk einprägsam formulieren:

"If I observe the inventiveness of our modern scientists, I sometimes fancy a much greater invention, to see and hear in the distance without any wire. Just imagine. You could observe from your place, say in the sitting room, the jungles of Africa, what the wild beasts are doing there. And more, you could see and listen to the jungles of our human society. Every man then would be forced to be honest. And there would be no secret plotting anymore of all the wickedness. Wonderful, no?'"

Während für viele Menschen technologische Innovationen subjektiv vor allem eine Gefahr darstellen und als bedrohlich empfunden werden, schwelgt Masaryk von deren positiven Auswirkungen auf politische Abläufe. Seiner Meinung nach können die Technologien mehr Nachvollziehbarkeit und vor allem Transparenz politischer Entscheidungen für die Bürger schaffen. Er träumt von den Möglichkeiten einer stärkeren Kontrolle der Politik durch die Öffentlichkeit. Themen, die uns nicht unbekannt sein dürften und längst in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Wie wir Veränderungen und Umwälzungen begegnen und wie wir sie bewerten, gehört auch heute zu den Fragen vor denen wir als Gesellschaften stehen. Nicht weniger geht es auch heute erneut um die Frage, wie sich die Beziehungen der Staaten Europas zu den USA entwickeln werden. 

Die in diesem Video angesprochenen Themen sowie eine Reihe weiterer Aspekte seines Denkens und Wirkens, werden in der Sonderausstellung "Phänomen Masaryk" im Neuen Gebäude des Nationalmuseums noch bis zum 31. Januar 2018 präsentiert. (taaa) 

Autor: Tom-Aaron Aschke
Themen: T. G. Masaryk, Medien
ID: 11,381
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