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Der Autor

Constantin Göttfert (*1979, Wien) ist ein österreichischer Autor. Er studierte Germanistik und Kulturwissenschaft an der Universität Wien und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er absolvierte mehrere Studien und Auslandsaufenthalten, heute lebt er als Schriftsteller, Klavierspieler und Redakteur einer Kulturzeitschrift in Wien.

Zu seinen Werken gehören: Holzung. Kurzgeschichten (Arovell Verlag, 2006), In dieser Wildnis. Erzählungen (Poetenladen Verlag, Leipzig, 2010), Satus Katze. Roman (C. H. Beck, München, 2011), Detroit. Erzählung (Textem Verlag, 2012), Steiners Geschichte. Roman (C. H. Beck, München, 2014). Sein letzter erwähnte Roman wurde mit dem Heinrich-Heine Stipendium und dem Hausacher LeseLenz Stipendium ausgezeichnet und war im August 2014 auf der ORF-Bestenliste. Im Jahre 2015 erschien die türkische Übersetzung.

Zurzeit arbeitet er an einem neuen Roman und einem innovativen Computerspiel.

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Arbeit im Kaffeehaus

Prag-Blog, Eintrag 2

Glückliche Zeiten, so liest man es von abgerissenen Kalenderblättern, vergehen zu schnell. Kinder vollführen ihren ersten Schrei außerhalb der mütterlichen Wärme, und ehe man zweimal zwinkert legen sie den Kopf schief und verlangen mit vorgestreckter Hand nach den Autoschlüsseln.

Ich schrecke also kurz hoch aus meinem Prager Idyll an der Moldau. Mein Blick fällt auf die Tretboote, die hinter meinem Schreibtisch durch das glitzernde Abendlicht paddeln. Fast zwei Wochen sollen schon vergangen sein, seit ich meinen Koffer neben die Biedermeierlichen Bettpfosten gestellt habe?

Ich ging über die Most Legíi, vorbei am Café Savoy und durch die Gassen der Kleinseite, auf deren schimmerndem Kopfsteinpflaster ein Mensch wie ich sich so genussvoll verlieren kann, von Menschen träumend, die mich einst hierher begleitet haben, deren Schritte ich doch seit Jahren nicht mehr gehört habe. Zu vieles ist mit dieser Stadt verbunden! Auch jenes Café Louvre, das ich schließlich bei meiner Rückkehr aufsuchte, um – eingepfercht zwischen amerikanischen und deutschen Touristen, aber mit gut gefülltem Magen – den Blick hinab auf das anonyme Treiben zu senken.

Zuhause fällt mein Blick auf die ausgedruckten Seiten des Manuskripts auf meinem Schreibtisch und ich erkenne, dass ich tatsächlich darauf hoffen darf, noch in Prag einen ersten Abschluss für meinen neuen Roman zu finden. Auch die Spinnen arbeiten im Fensterkreuz und wenden mir ihren Rücken zu. Ich knacke eine Dose Budweiser auf und schalte den Computer an. Danke!

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