Rubrik: Kultur, Musik | Veröffentlicht am: 29.05.2017

Prag - Nach sieben Jahren gastiert die deutsche Band Rammstein dieser Tage wieder in der tschechischen Hauptstadt. 

Am Sonntagabend fand der erste von zwei Auftritten in der Prager Eden Aréna statt. Nach dem islamistischen Selbstmordattenat von Manchester unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen und bei hochsommerlichem Wetter, kamen Medienberichten nach zwischen 25 und 30 Tausend Zuschauer in die ausverkaufte Fußballarena in Prag-Vršovice. 

Dem Konzertereignis widmen die großen tschechischen Tageszeitungen in ihrer Kulturrubrik allesamt ausführliche Konzertkritiken. Einig sind sich die Rezensenten dabei, dass Rammstein auf der Bühne weiterhin eine unterhaltsame Show bietet und die Fans der Band ganz sicher von dem gestrigen Konzert nicht enttäuscht wurden. Immerhin spielten die Musiker rund eineinhalb Stunden, siebzehn Stücke insgesamt und reihten dabei einen Hit an den anderen (ein neues Album lässt weiter auf sich warten), garniert mit jeder Menge Pyroeffekten.  

Viele der deutschen Songtexte wurden dabei auch vom tschechischen Publikum mitgesungen.  

Der Kritiker der größten tschechischen Tageszeitung Mladá fronta Dnes, Václav Hnátek, gibt zu, dass man Rammstein musikalisch nichts vorwerfen könne, bekrittelt jedoch mangelnde Originalität der Show, die in der Regel mit Worten wie "kontrovers, provokant oder überraschend" beschrieben würde. Hnátek: "Nur in dieser Richtung erwartet man von Rammstein einfach mehr. Und weil die Musiker niemanden angezündet und nicht einmal wenigstens masturbiert haben (das Mikrofon zählt nicht), kann man die Prager Show im Kontext nur als zahm bezeichnen." Gesamturteil für das Konzert in Prozent ausgedrückt: 70 Prozent. 

Auch der Kritiker der Právo, Jaroslav Špulák, misst Rammstein im Hinblick auf ihre Show und pyrotechnischen Effekte an den von der Band selbst gesetzten Maßstäben, wenn er bemerkt, dass "bei den vergangenen Konzerten Rammstein einfach doch noch mehr Effekte" begleitet hätten. Allerdings ist auch Špuláks Gesamturteil klar: "Bands, die so eine Show bieten, gibt es auf der Welt nicht viele und Rammstein gehört zu den besten. Ihr erster Prager Abend hat deshalb auch gezeigt, dass ihr Ansatz den Zuschauer ganz sicher nicht langweilt." Fazit: 80 Prozent.  

Der Musikpublizist Antonín Kocábek zollt den Deutschen um Frontmann Till Lindemann in der Tageszeitung Lidové noviny ebenfalls Respekt: "Und obwohl die sechs Herren auf dem Podium nicht mehr zu den jüngsten gehören und trotz Schminke ihre 23 Jahre Abnutzung zu erkennen sind - bis zu einem müden, leblosen Herunterleiern altersschwacher Hits, so wie wir es von einigen anderen alternden Combos kennen, hat Rammstein es - beurteilt nach der aktuellen Prager Darbietung - insgesamt noch weit." Titel von Kocábeks Konzertkritik: "Cirkus Rammstein macht weiterhin Spaß". 

Setlist (gemäß Musicserver.cz): Ramm 4, Reise, Reise, Hallelujah, Zerstören, Keine Lust, Feuer frei!, Seemann, Ich Tu Dir Weh, Du Riechst So Gut, Mein Herz Brennt, Links 2-3-4, Ich will, Du hast, Stripped, Sonne, Amerika, Engel.

Das Zusatzkonzert findet am heutigen Montagabend ebenfalls in der Eden Aréna statt, Resttickets sind noch im Vorverkauf erhältlich. (nk)

Autor: Niels Köhler
Themen: Konzertkritik, Konzerte, Rammstein
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