prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Wirtschaft | 15.9.2013
Ein Jahr "Partner Support Program" - Martina Hohmann von der AHK Prag zieht Bilanz
AHK Tschechien

Prag - Auslandsaufenthalte sind nicht nur wichtige Stationen einer erfolgreichen beruflichen Karriere, sondern oft auch prägende Abschnitte im persönlichen Leben. Das gilt für die Entsandten ebenso wie für ihre mitgereisten Partner und Familienmitglieder. Hier will das "Partner Support Program", entwickelt von den deutschen Auslandshandelskammern (AHKs), Industrie- und Handelskammern (IHKs) und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zusammen mit der Volkswagen AG, Unterstützung und Orientierungshilfe leisten.

In Tschechien ging das Projekt im Oktober vergangenen Jahres an den Start, wie Martina Hohmann von der IHK Prag im Interview mit prag aktuell (pa) erklärt. Die Fragen stellte Georg Pacurar.  

pa: Das Partner Support Program (PSP) ist vor ziemlich genau einem Jahr gestartet. Wie wird es in Tschechien angenommen? Und wie im Vergleich dazu in anderen Ländern, wenn Sie dazu Erfahrung haben?

Martina Hohmann: Dafür, dass das Partner Support Program (PSP) ein noch junges Projekt für uns in Tschechien ist, wird es sehr gut angenommen. Etwa ein Drittel der PSP-Begünstigten nutzen bereits unsere Dienstleistungen oder die unserer Kooperationspartner. Das PSP wird weltweit an zehn Standorten auf vier Kontinenten angeboten. In China wurde damals das Pilotprojekt gestartet. Es läuft heute sehr erfolgreich. Nach China gibt es eine Vielzahl von Entsendungen. Mittlerweile haben die Kollegen an der AHK Greater China über 370 Beratungsgespräche durchgeführt.

Die Beratung von Partnern und Partnerinnen der vorübergehend in Wolfsburg arbeitenden VW-Mitarbeiter aus aller Welt übernimmt seit einiger Zeit übrigens die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) koordiniert das Netzwerk der AHKs und ist dabei, weitere Unternehmen für das Programm zu akquirieren. Wir sind also auf einem sehr guten Weg.

pa: Deutschland ist in kaum einer Flugstunde zu erreichen, mit dem Pkw oder der Bahn ist man ebenfalls schnell in Deutschland. Ist das Leben beim tschechischen Nachbarn so anders, dass es intekulturellen Trainings und dergleichen bedarf?

Martina Hohmann: Die kulturelle Nähe zwischen Deutschland und Tschechien ist sehr groß. Die Gefahr ist aber, dass man eine geringere Sensibilität für die Unterschiede hat. Deutschland sollte seinen kleineren Nachbarn ein gewisses Feingefühl entgegenbringen. Die historische Beziehung erfordert dies. Eine besondere Schulung, zum Beispiel in Form eines Interkulturellen Trainings, schadet keinem!

pa: Was bereitet die größten Anpassungsschwierigkeiten?

Martina Hohmann: Deutsch und Englisch werden in Tschechien sehr viel und sehr gut gesprochen. Tschechisch bereitet vielen Deutschen, auch langfristig, Probleme. Die Sprache wird als schwer zu erlernen eingestuft und wirkt vom Schriftbild her befremdlich. Deutsch ist romanisch geprägt, Tschechisch slawisch. Das macht den Zugang zur Sprache schwieriger.

pa: Wie unterscheidet sich PSP von den Angeboten von Organisationen wie dem International Women's Club?

Martina Hohmann: PSP ist natürlich auch ein Netzwerk im weitesten Sinne, und hinter PSP steht natürlich auch eine Organisation. Der Unterschied zu anderen Angeboten ist die individuelle Förderung des Einzelnen basierend auf einem konkreten Anforderungsprofil. Wir bieten nicht nur eine große Bandbreite an Möglichkeiten, sondern ein speziell auf die Person, deren Ziele, Bedürfnisse und Erfahrungsschätze zugeschntittenes Förderprogramm.

pa: Wie beliebt ist Tschechien bei deutschen Expats im Vergleich zu anderen Ländern der Region oder im europäischen Vergleich? Wer oder was sind eigentlich die deutschen "Expatriates" in Tschechien? Sind darunter auch "Auswanderer", die hier dauerhaft bleiben?

Martina Hohmann: Tschechien ist recht beliebt, aus Sicht von VW kann ich dies jedenfalls mit großer Sicherheit sagen. Ich denke, dies liegt in erster Linie an der geographischen und kulturellen Nähe zu Deutschland, an der hohen Lebensqualität im Land, am angenehmen Klima und an der Sicherheit. Viele der Entsandten haben ihren Lebensmittelpunkt vorübergehend nach Prag verlegt. Gerade Prag ist für viele sehr positiv belegt – es ist ja auch eine zauberhafte Stadt mit großem Lebenskomfort. Nicht alle Expats gehen nach drei, vier oder fünf Jahren wieder zurück in ihre Heimat, sondern bleiben über die Vertragslaufzeit hinaus im Land, manche sogar für immer und nicht wenige deshalb, weil sie ihren Lebenspartner hier gefunden haben.

pa: Sie sind selbst Expat und arbeiten bei der DTIHK mit anderen Wahl-Pragern zusammen. Was würden Sie nach Ihren

Erfahrungen jemandem raten, der bei der Entscheidung für Tschechien noch zögert?

Martina Hohmann: Machen! Sie werden es nicht bereuen!

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Themen: DTIHK, Expatriates, Umzug / Relocation
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